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Olaf Groß

Regionale Online-Marktplätze nur wenig erfolgversprechend

Olaf Groß | 4.09.2015 | Marketing

Sie heißen Online-City Wuppertal, Simplylocal oder Locafox. In den vergangenen Jahren sind immer mehr regionale Marktplätze im Web entstanden und buhlen um die (Online)-Händler Ihrer Regionen. Doch können Händler von diesen Marktplätzen wirklich profitieren? Wir haben bei einem Experten nachgefragt.

Regionale Online-Marktplätze sind für Verlage, Gemeinden und Start-ups das Geschäftsmodell der Wahl, um endlich auch am Digital-Boom der vergangenen 15 Jahre verdienen zu können.

Die Idee dahinter: Man bietet den Händlern Umgebung eine Plattform, auf der sie sich mit ihren Shops und Produkten im Web präsentieren können. Der Händler profitiere von einer größeren Reichweite und Bekanntheit, so die Versprechen der Anbieter. Doch Experten sind sich einig, dass Händler von diesen Marktplätzen nicht allzu viel erwarten sollten.

Prof. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein findet zum Thema regionale Online-Marktplätze klare Worte:

„Regionale Online-Marktplätze schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden, sind aber häufig offensichtlich nur Potemkinsche Dörfer, die mit viel Naivität von Städten, Gemeinden und vielfach auch Regionalzeitungen initiiert werden“.

Regionale Online-Markplätze: Was bringen Sie dem Shopsbetreiber?

Stephan Sobczak regionale Online-Marktplätze
Wir haben Stefan Sobczak, Geschäftsführer der Hamburger E-Commerce Agentur netshops im Interview um eine Einschätzung gebeten.

shopbetreiber-blog: Gemeinden und regionale Verlage entdecken lokale Marktplätze als Erlösquelle. Wie lassen sich regionale Geschäftsmodelle mit der globalen Ausrichtung des Internets in Einklang bringen?

Stefan Sobczak: Ich persönlich denke, dass regionale Geschäftsmodell keine Chance haben gegen die überregionalen Anbieter. Warum auch? Im Fokus steht der Kunde. Er entscheidet über das Produkt, wo er es kauft und entscheidet überwiegend nach Preis, Verfügbarkeit und Service. Bei immer besseren und schnelleren Logistikprozessen entfällt auch der eventuelle örtliche Vorteil die Produkte direkt abholen zu können. Die Verlage versuchen die Geschäftsmodelle von früher – wie Einnahmen aus Anzeigenverkäufen aus dem örtlichen Telefonbuch, zu übertragen ins Onlinebusiness. Diese Medien funktionieren jedoch unterschiedlich, was viele Verlage leider noch nicht verstanden haben.

shopbetreiber-blog: Aus Sicht des Händlers: Welches Umsatzpotenzial tut sich für ihn auf lokalen Marktplätzen auf?

Sobczak: Der reine Onlineumsatz spielt in diesen Überlegungen kaum eine Rolle. Wenn, dann ist es die Verbindung aus off- und online Geschäft. Dass der Händler online dazu antriggert, seine Käufe im Laden zu tätigen. Er ist über gut gesteuerte gemeinsame Kampagnen natürlich online viel sichbarer als würde er es alleine versuchen.

shopbetreiber-blog: Welche Herausforderungen kommen auf den Händler zu, wenn er sich entscheidet, auf einem lokalen Marktplatz aktiv zu sein?

Sobczak: Er muss einen mindestens genauso guten Auftritt haben, als wäre er in überregionalen Marktplätzen vertreten. Umfangreiches Produktsortiment, guter Preis, Hinweise auf die Verfügbarkeit und weitere kauffördernde Maßnahmen wie Hintergrundinformationen zum Händler.

shopbetreiber-blog: Welche Chancen bieten sich für einen Händler durch lokale Marktplätze?

Sobczak: Ich möchte dieses Modell auch nicht komplett kaputt reden. Online City Wuppertal zeigt laut den ersten Ergebnissen, dass zumindest die Frequenz im stationären Laden gestiegen ist, seit dem die Händler online dort vertreten sind. Ich denke, dass jede Art von Geschäftsmodell und Marketingkanal, der funktioniert, ein guter Kanal ist. Ob er funktioniert muss gemessen und ausgewertet werden. Ich persönlich glaube nur nicht, dass sich regionale Konzepte, die nicht besonders kreativ oder gar einzigartig sind, sich flächendeckend durchsetzen.

7 Reaktionen zu “Regionale Online-Marktplätze nur wenig erfolgversprechend”

  1. Stella

    Die Frage die sich auch stellen sollte ist: Warum beschränken die Händler sich selbst auf regionale Plattformen? Ich denke nicht, dass es aus Unwissenheit oder Lustlosigkeit am überregionalen/internationalen Handel geschieht, sondern viele erst einmal klein starten wollen. Sei es, weil sie sich eine eigene Website nicht zu trauen oder weil ihnen der Handel bei großen Plattformen zu unübersichtlich ist bzw. sie die große Konkurrenz fürchten. Wie im Artikel jedoch richtig dargestellt ist dies eine „Offline-Mentalität“ die sich im Online-Handel nicht umsetzen lässt. Gerade der Auftritt auf verschiedenen großen Onlinemarktplätzen, verbunden mit einer eigenen Internetpräsenz, eröffnet ihnen die Möglichkeit ganz neue Zielgruppen zu generieren.

    [Werb. entfernt, d.Red.]

  2. Tobias Kollewe

    Oder anders: Der lokale Einzelhandel wird in Zukunft – trotz regionaler Marktplätze – überhaupt keine Chance mehr haben.
    Nicht, weil er sich nicht traut oder weil das Geschäftsmodell nicht stimmt.
    Schlicht und einfach, weil der Konsument ihn nicht mehr braucht. Er bestellt bei „den Großen“. Und Hersteller (auf der anderen Seite) werden den Einzelhandel auch nicht mehr benötigen. Ehemals als Vertriebsschiene zwischengeschaltet, läuft der Vertrieb immer öfter direkt ab Hersteller. Und die Marge auf Seiten der Produzenten erhöht sich damit auch.

  3. Thomas

    Wobei ich kenne da Ausnahmen und zwar im Jobbereich da macht lokal absolut Sinn! Joblocal und Co. nennt sich das dann oder auch http://www.stellenangebotedortmund.de/ oder auch http://www.stellenangebotestuttgart.de erfolgreiche Lokale Jobsuchmaschinen

  4. Nespro24

    Ich habe mich unter anderem für einen Regional-Marktplatz entschieden, da ich hier ein gutes Video erstellen lassen konnte und mir versprochen wurde, dass ich durch diesen Marktplatz auch immer mit unter der ersten Seite bei Google zu finden bin. Zahle dafür monatlich 10 EUR bei Intrag-Regional AG.

    Ansonsten macht es wirklich keinen Sinn, in einem Regionalen Marktplatz vertreten zu sein, wenn man international verkauft. Google ist einfach zu präsent und leicht zu bedienen.
    Es stimmt, dass ich immer sehr weit vorn bei den Treffern liege – aber ob das an dem Marktplatz allein liegt, kann ich nicht sagen. Probiert es mit meinem Namen aus…..

  5. Sylvia

    Also wenn man nicht gerade Friseur, Bio Laden, Bäcker oder Autowerkstatt ist machen diese Marktplätze keinen Sinn.
    Habe diverse Sachen ausprobiert und außer Vertragslaufzeiten und oft hohen Startkosten nichts generiert.
    Wenn dann eher noch die falsche Kundengruppe in den Laden gezogen, weil solche Marktplätze, unflexibel wie sie immer noch sind, einen irgendwo in eine Kategorie stopfen die nicht passt.
    Oft ist es nur die Wahl zwischen Elektronik oder Musikinstrumente die uns bleibt.
    Was dann dazu führt das der Kunde bei uns ein HDMI Kabel oder eine Flöte kaufen möchte und dann sauer ist das er den Weg umsonst gemacht hat.
    Man überschätzt nämlich die Nutzergruppe solcher Portale massiv.
    Der kaufwillige Such-Zombie von heute liest sich nämlich auch kein Geschäftsprofil mehr durch oder greift mal schnell zum Telefon.
    Aber das kennen wir ja schon von Produkttexten und Bedienungsanleitungen. :-/

  6. Mark

    An regionale Marktplätze im Internet glaube ich auch nicht, da muss schon sehr viel passen im Bereich Marketing und Plattform Pflege. Die meisten greifen doch auf die großen und landesweiten Portale zu.

  7. Schuchi

    Ich glaube das regionale Marktplätze sehr Wohl eine Zukunft haben. Es kommt auf die Ausrichtung an. Natürlich kann ein regionaler Marktplatz nicht mit Amazon oder Ebay konkurieren.
    Wenn man Produkte von lokalen Produzenten anbietet, die man nur in der jeweiligen Region bekommt, sehe ich schon Potenzial. Für standartisierte Waren die man überall bekommt und die nur durch den Preis differenzierbar sind, wird es natürlich nicht funktionieren.

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