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Dr. Carsten Föhlisch

Kosten bei Abmahnungen von Privatleuten auf 100 EUR limitiert

Dr. Carsten Föhlisch | 11.09.2008 | Gesetze

Weniger Geld für AbmahnanwälteAm 1. September 2008 trat das Gesetz zur Umsetzung der EU-Durchsetzungs-Richtlinie in Kraft. U.a. sind künftig bei einfach gelagerten Fällen mit einer nur unerheblichen Rechtsverletzung außerhalb des geschäftlichen Verkehrs die erstattungsfähigen Anwaltsgebühren für die erste Abmahnung auf 100 Euro limitiert. Onlinehändler profitieren von der Regelung allerdings nicht.

Das Gesetz setzt die Richtlinie 2004/48/EG durch eine Novellierung von mehreren Gesetzen zum Schutz des geistigen Eigentums um: Patentgesetz, Gebrauchsmustergesetz, Markengesetz, Halbleiterschutzgesetz, Urheberrechtsgesetz, Geschmacksmustergesetz, Sortenschutzgesetz werden weitgehend wortgleich geändert.

Außerdem wird der Kostenerstattungsanspruch bei Abmahnungen im Rahmen von Urheberrechtsverstößen auf 100 Euro begrenzt. Ferner passt das Gesetz das deutsche Recht an die neue EG-Grenzbeschlagnahme-Verordnung an. Diese Verordnung sieht ein vereinfachtes Verfahren zur Vernichtung von Piraterieware nach Beschlagnahme durch den Zoll vor.

Darüber hinaus enthält das Gesetz eine Anpassung an eine EG-Verordnung zum Schutz von geographischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel und schließt hinsichtlich der unberechtigten Verwendung von geographischen Herkunftsangaben eine Strafbarkeitslücke.

Schutz der Verbraucher vor Abmahnanwälten

Das Gesetz verbessert die Situation von Verbraucherinnen und Verbrauchern, die sich hohen Rechnungen für eine anwaltliche Abmahnung wegen einer Urheberrechtsverletzung ausgesetzt sehen.

Künftig sollen bei einfach gelagerten Fällen mit einer nur unerheblichen Rechtsverletzung außerhalb des geschäftlichen Verkehrs die erstattungsfähigen Anwaltsgebühren für die erste Abmahnung nicht mehr als 100 Euro betragen.

Abmahnkosten 100 EUR in einfachen Fällen

Das gilt für Urheberrechtsverletzungen, die ab dem 1. September 2008 begangen werden.

Beispiel: Eine Schülerin hat auf ihrer privaten Homepage einen Stadtplanausschnitt eingebunden, damit ihre Freunde sie besser finden. Dies ist eine Urheberrechtsverletzung (§§ 19a, 106 UrhG). Das staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Eine Kanzlei hat die Schülerin abgemahnt, die Abgabe einer Unterlassungserklärung gefordert und als Anwaltshonorar einen Betrag von 1.000 Euro gefordert. Künftig kann die Kanzlei für ihre anwaltlichen Dienstleistungen nur 100 Euro erstattet verlangen, wenn es sich um einen einfach gelagerten Fall mit einer nur unerheblichen Rechtsverletzung handelt.

Unberührt von dieser Begrenzung bleibt der Vergütungsanspruch des Rechtsanwalts gegen seinen Mandanten, also etwa dem Rechtsinhaber. Bei den übrigen Schutzrechten wie dem Marken- oder Patentrecht ist diese Ergänzung nicht erforderlich, da hier Abmahnungen ohnehin nur ausgesprochen werden können, wenn das Recht im geschäftlichen Verkehr verletzt wurde.

Weitere Neuerungen des Gesetzes

Weitere Neuerungen gibt es in den Bereichen:

  • Auskunftsansprüche
  • Schadensersatz
  • Vorlage und Sicherung von Beweismitteln
  • Grenzbeschlagnahmeverordnung
  • Schutz geographischer Herkunftsangaben
  • Urteilsbekanntmachung

Ausführliche Informationen auf der Website des Bundesjustizministeriums. (cf)

Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken

Mittlerweile gab es weitere Änderungen im Bereich der Abmahnung, insbesondere durch das Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken. Mit diesem Gesetz sollten sowohl urheberrechtliche Abmahnungen gegenüber Privatpersonen weiter als auch wettbewerbsrechtliche Abmahnungen grundsätzlich eingeschränkt werden. Gebracht hat dieses Gesetz allerdings bisher nichts. (mr)

8 Reaktionen zu “Kosten bei Abmahnungen von Privatleuten auf 100 EUR limitiert”

  1. Webnews.de

    Kosten bei Abmahnungen von Privatleuten auf 100 Euro limitiert.

    Am 1. September 2008 trat das Gesetz zur Umsetzung der EU-Durchsetzungs-Richtlinie in Kraft. U.a. si

  2. hype.yeebase.com

    Kosten bei Abmahnungen von Privatleuten auf 100 EUR limitiert

    Privatleute dürfen sich freuen. Die Kosten für die erste Abmahnung muss sich im Rahmen halten.

  3. Stefan Johne

    Arrr das ist doch endlich mal eine gute Nachricht, hoffentlich werden dadurch einige Online-Abmahn-Anwälte gestoppt.

  4. Puhs Blog

    Kosten bei Abmahnungen von Privatleuten auf 100 Euro limitiert

    Am 1. September 2008 trat das Gesetz zur Umsetzung der EU-Durchsetzungs-Richtlinie in Kraft.
    Künftig sollen bei einfach gelagerten Fällen mit einer nur unerheblichen Rechtsverletzung außerhalb des geschäftlichen Verkehrs die erstatt…

  5. Abmahnungen gedeckelt - teilweise - Kein Coder

    […] Gerade dann, wenn man nicht mehr daran glaubt: Seit dem 1. September sind Abmahnungen an Privatleute auf 100 € gedeckelt. […]

  6. Abmahnkosten gedeckelt | Nord-SEO

    […] Quelle: shopbetreiber-blog […]

  7. Weniger Abmahnkosten für Privatleute | Webregard - Watch the Web

    […] einem Gesetz dürfen nur noch maximal 100 Euro Kosten bei einem Abmahnbescheid für den Privatmann entstehen. Ein Vortschritt, bringt den […]

  8. SEO-Handbuch

    Hui, hab diese Nachricht erst jetzt gelesen. Aber besser später, als nie! Das Gesetz ist aber auf jeden Fall eine erfreuliche Entwicklung für private Websitebetreiber.

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