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Olaf Groß

Rücksendekosten: Die Kluft zwischen Groß und Klein wird tiefer

Olaf Groß | 27.01.2014 | Marketing

Wenn im Juni 2014 die Verbraucherrechterichtlinie umgesetzt wird, müssen sich Shopbetreiber entscheiden: Werden Sie die Rücksendekosten für ihre Kunden übernehmen? Die großen Online-Shops zeigen sich gegenüber den Kunden großzügig. Doch viele kleine Shopbetreiber können da nicht mitziehen.

Eigentlich ist die Meldung der Welt am Sonntag vom 26. Januar nicht wirklich neu. Amazon, Otto, Zalando und Co. werden zum 13. Juni 2014 die Kosten für anfallende Rücksendungen ihrer Kunden übernehmen.

Das Forschungsprojekt retourenforschung.de der Universität Bamberg hatte bereits Ende 2012 in einer Umfrage herausgefunden, dass mit zunehmender Unternehmensgröße, gemessen am Umsatz, die Bereitschaft steige, die Rücksendekosten gleichsam als Verkaufsvorteil für den Kunden zu übernehmen.

Bei Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als zehn Millionen Euro haben sich 60 Prozent dafür entschieden, die Rücksendekosten zu übernehmen.

Die Kluft zwischen den Big Playern und der Basis des Online-Handels in Deutschland wird sich somit höchstwahrscheinlich noch weiter vertiefen. Zumal laut einer Umfrage von TNS Emnid aus 2013 jeder dritte Online-Shopper nur noch in solchen Shops einkaufen, die für ihn die Rücksendekosten übernehmen.

19 Reaktionen zu “Rücksendekosten: Die Kluft zwischen Groß und Klein wird tiefer”

  1. M. Bruendl

    Dito – die kleinen Händler beissen da wohl wieder ins Gras.
    Ich befürworte zwar die neue Regelung, aber sie lässt sich leider nicht umsetzen, da die großen eben nicht mitziehen.
    Vor allem die großen Player machen schon oftmals die Preise kaputt und verkaufen zu absoluten Dumpingpreisen (teilweise).
    Auch da kann ein kleiner Shop nicht mithalten.
    Es interessiert dabei auch keinen, dass die großen Shops oftmals über Jahre hinweg nur Verluste einfahren und bei einer Pleite ist dann das Geschrei groß und es wird um staatliche Hilfe gebettelt, da sie ja auch Arbeitsplätze geschaffen haben – zumindest wird dies oft so begründet.
    Von den ganzen anderen Zuschüssen von der KfW, LfA, Erp etc. etc. will ich da garnicht reden.
    Auch wenn es sich bei den Arbeitsplätzen oftmals im Niedriglohbereich und um Leiharbeiter handelt. Außerdem übernimmt bei Langzeitarbeitslosen oftmals der Staat einen erheblichen Teil des Lohns für den Arbeitnehmer – wird halt einfach bezuschusst. Auch so kann man andere Arbeitssuchende ausbooten, da die ja effektiv der Firma mehr kosten, als ein Harzler.

  2. Markus Henneken

    Traurig. Die Onlinehändlerschaft hat dafür gekämpft, die Rücksendekosten von Kunden tragen zu lassen, die nur allzu oft kopflos bestellen und sich Anprobier-Parties zusammen bestellen. Doch jetzt, wo die Onlinehändler genau das Highlight der anstehenden Reform tatsächlich durchgeboxt haben, passiert was? Sie verzichten freiwillig darauf. Wir machen uns gegenüber dem Gesetzgeber sowas von lächerlich…

  3. A.Brandner

    Es muss doch nicht jeder den Wahn der grossen mitmachen !? Faire Lösung – Endlich. Einer Hin und Einer Rücksendekosten. Top ! Auf die Kunden, die das nicht verstehen, verzichte ich eh gerne, da es sowieso nur Zalando Kunden sind, die möglichst billig Sachen nur zum anprobieren bestellen.
    Wenigstens mal ein kleiner Schritt für kleinere Händler die sich diesen Wahnsinn einfach nicht leisten können.

    Wenn es uns gelingt in einigen Branchen „Zusammenschlüsse Kleiner“ zu schaffen um auch die Preispolitik stabil halten zu können, dann haben ALLE kleinen was davon. Die großen Billigshops kann man nur so bekämpfen !

  4. Alexander

    Würde man einen vernünftigen Mindestlohn für die Arbeitnehmer in der Logistik der großen Händler einführen, sowie auch bei deren Paketdienste, dann würden auch die Großen sehr schnell die Rücksendekosten dem Kunden aufbrummen.

  5. L. Schendzielorz

    es geht doch genau darum, bloß nicht zusammenhalten egal zum welchen Zweck. Sich gegenseitig ausspielen, sich lächerlich machen, kein Problem. Der Große bleibt groß, der kleiner, ach! dem braucht man nicht. Es ist wie im Mittelstand; alles finanzieren: Renten finanzieren, Krankenkassen finanzieren, Banken finanzieren und dazu noch jedes mal oben drauf bekommen. Die Großen reiben sich die Hände, haben Vergünstigungen, Zuschüssen, Leiharbeiter. Aber leider hilft manchen das sogar nicht.

  6. Sylvia Gerlach

    Ich weiß auch grad nicht ob ich lachen oder weinen soll.
    Ehrlich gesagt kann man auf die „ich borge es mir mal am Wochenende aus“ Besteller wirklich verzichten, andererseits verprellt man sich , grad als kleiner Shop wahrscheinlich doch auch ein paar verunsicherte Kunden und die rennen dann wieder zu den Großen Versendern.
    Was haben wir uns nur für eine Kundschaft erzogen.
    Sie kaufen unüberlegt, informieren sich nicht und der Schlimmste ist ja echt der Besteller der die 30 Tage ausnutzt, um vor seinen Kumpels den Maxen zu machen.
    Hab ich grad live wieder gehabt.
    Schön das 2500€ teure DJ Equipment nach Silvester wieder zurück geschickt, vollgekleckert vollgequarzt aber Hauptsache gleich mal nen Konflikt aufgemacht.
    Was war doch die Zeit schön, als der Kunde einem wenigstens noch in die Augen schauen musste wenn er einen gnadenlos angelogen hat.
    Ich kann nur hoffen das diese Art Kundschaft komplett zu den „großen“ abwandert.
    Dann werden wir ja sehen wie lange die noch die Rücksendekosten tragen wollen.
    Und hey, mit dem Lohn das ist echt was dran.
    Und nicht zu vergessen das die Großen bei den Einkaufspreisen oft schon viel bessere Konditionen haben und bei einem großen Sortiment auch oft einfach alles über Mischkalkulation abfangen.
    Als kleiner Händler mit ausgewähltem Sortiment ist man da eh immer der Dumme :(

  7. Das Parfum

    Stimmt Alexander.

    Das ist mal wieder was für die großen Onlinehändler und ideal um die Kleinen noch mehr abzudrängen, Scheiß Spiel.

  8. Top-Händler wollen auf Retouren-Gebühr verzichten [5 Lesetipps] | Handelskraft – Das E-Commerce und Social-Commerce-Blog

    […] Fraglich ist, wie Kunden darauf reagieren, bekanntlich sind die Kosten ein stärkerer Hebel als das Tempo des Versandes. Gewinnen also am Ende die großen Händler, die nicht auf die gesetzliche Entlastung angewiesen sind? Die Kluft zwischen den Big-Playern und kleinen Händlern wächst. […]

  9. alambio

    oh man, wir haben uns so gefreut, dass das Gesetz nun endlich umgesetzt wird und nun diese Nachrichten und Statistiken. Die „Großen“ sind für uns Kleinen wirklich sehr schlecht. Wie sollen wir da nur überleben können. Wir Kleinen haben den besseren Service, teilweise sogar bessere Preise und vieles mehr. Doch wer bekommt die Kunden? Natürlich die Großen. Natürlich verdient jeder respekt, der gewachsen ist. Aber diese vollgepumpten Investorenhändler die nur auf Umsatz abzielen aber keine Ahnung von „GEWINN“ 😉 haben sollten sich doch nochmal überlegen, ob sie die Rücksendekosten nicht doch den Käufern zahlen lässt.

    Wir werden, nein wir müssen die Rücksendekosten sobald das Gesetz gilt auf unsere Kunden abgeben. Das hat nichts mit Kundenunfreundlichkeit zu tun…

  10. shopper

    Ich behaupte sowieso, dass die ganzen Tante-Emma-Online-Händler mit unter 500 TEuro Umsatz auf mittelfristige Sicht nicht überleben werden. Ausnahmen werden da die Rege bestätigen, aber das wird sich in den nächsten 2-3 Jahren ordentlich bereinigen. Und das liegt nicht nur an der Retouren-Problematik. Aber das ist dann wieder ein anderes Thema.

  11. Shop betreiber

    das würde sich alles ändern, wenn man den kunden die die Ware behalten klar macht, dass sie und niemnand anders die ruecksendekosten der Rücksender trägt, glaube mal keiner, das dafür eininvestor aufkommt oder Jeff b., Show me the Money, honey!

  12. hannes7

    Wir merken inzwischen das die Lieferanten sich der Gefahr bewusst werden, wenn bestimmte große Versender mehr als 20% vom Verkaufskuchen einnehmen.
    Wir sehen die Sache entspannt, klares Sortiment, gute Beratung (digital und analog), schneller Service zu Preisen die ein Einkommen sichern. Jetzt eine Umsatzschwelle zu definieren sehe ich als kritisch an. Die Marge macht es alleine aus. Lasst doch die Umtauscher nach den Grossen rennen, uns freut es. Wir bieten bei guten Kunden auch gerne eine kostenlose Rücksendung an. Wir werden das individuell gestalten, hier ist mehr die Umsetzung im Shop das kritische Thema das wir gerade lösen.

  13. Dunkelwelt Gothicshop

    @shopper: Der Umsatz ist nahezu irrelevant, je höher der Umsatz, desto höher die Kosten für Steuerberater und Co. Man kann mit 500000€ Umsatz/Jahr einen Gewinn von 50000€ machen oder auch nur mit 120000€ Umsatz/Jahr. Nicht jeder mit einem Umsatz von unter 500000€ ist ein Tante Emma Händler, es kommt auch stark auf Sortiment, Nische/nicht Nische und Nebenerwerb/Haupterwerb an. Letztendlich können ruhig alle wegfallen, die einen Shop im Nebenerwerb betreiben und mit ihren Preisen gnadenlos all diejenigen unterbieten, die Ihren Shop im Haupterwerb betreiben und davon Leben wollen/müssen.

  14. shopper

    Wie ich geschrieben habe, werden Ausnahmen die Regel bestätigen. Die Regel wird aber sein, dass wir in den nächsten 2-3 Jahren ein (stilles) Sterben der Tante-Emma-Online-Händler erleben werden.

    Auch die großen Shops werden immer mehr die Nischen besetzen. Bestes Beispiel ist Amazon. Es wird in 2-3 Jahren keine Nische mehr geben, die nicht durch Amazon besetzt ist, und bei denen Amazon seinen Top-Service bieten kann.

    Ja, auch ich bestelle mittlerweile am liebsten bei Amazon und da am liebsten Artikel von Amazon bzw. FBA-Artikel. Und das obwohl ich weiss, dass ich da mehr für bezahle als beim Tante-Emma-Online-Händler. Aber ich bin mir da auch sicher, dass ich einen absoluten Top-Service bekomme, Ware innerhalb von 24 Stunden bekomme, NULL Probleme und Diskussionen bei Retouren habe, ab 20 € mir die Ware kostenlos liefern kann und auch kostenlos retounieren kann.

  15. schuppser

    verräter! bei amazon einkaufen mit top service. klar, auf die knochen der mitarbeiter. unglaublich manche shop-betreiber, knurren über kunden weil die alles geschenkt haben wollen, gehen aber mit schlechten beispiel vorran. haben nicht den ar… in der hose um zu den anderen kleinen händler zu stehen. macht so weiter, macht amazon noch größer, dann macht ihr in zukunft nichts mehr. ach doch, zum amt gehen…

  16. shopper

    Also ich habe im Bekanntenkreis 2 Amazon-Mitarbeiter. Die sind dort eigentlich in großem und ganzen zufrieden. Gehalt könnte immer etwas mehr sein, klar, da gibt es auch Druck, aber bei weitem sind es nicht die katastrophalen Zustände, was uns die Medien immer wieder vorgaukeln wollen.

    Und wer sich irgendwelche Solidarität mit kleinen Online-Händlern erhofft, der ist reichlich naiv.

  17. schuppser

    ich bin mal so naiv und behaubte dass die kleinen ihre steuern abführen. amazon und die anderen verdächtigen schieben das geld solange hin und her bis die fast nichts mehr abführen müssen. du hast recht, das sollte man weiter unterstützen weil die ja so clever sind. und ja, es sollte mehr solidarität gegenüber den kleinen händlern geben. was ist falsch daran?

  18. Farnam

    Da kommt der Gesetzgeber dem Online-Handel mal entgegen und die Finanzstarken Global-Player machen es selbst zu nichte.
    Würd ja reichen wenn sie wenigstens nen kleinen Anteil nehmen würden. 1-2 EUR zumindest. Hauptsache diese kostenlos lieferei geht mal zurück.

  19. Vielbesteller

    Logischerweise müssten die kleinen Händler (bzw. die, die keine Rücksendekosten übernehmen) ihre Preise senken können. Denn natürlich ist die branchenspezifische Rücksendequote eingepreist. Damit habt ihr doch gegenüber den „Großen“ einen echten Preis- und Wettbewerbsvorteil, den ihr weitergeben könntet.

    Ich persönlich schicke von 100 Sendungen höchstens eine zurück – und das hat dann aber wirklich auch echte Gründe. Also könnte ich beruhigt bei den „Kleinen“ kaufen – wenn sie dafür günstiger sind.

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